Anwar Kenneth | Einmal ein Gotteslästerer, immer ein Gotteslästerer

Anwar Kenneth | Blasphemiegesetz Pakistan | 295C

Am 25. Juni 2025 ordnete der Oberste Gerichtshof Pakistans die sofortige Freilassung des psychisch kranken Katholiken Anwar Kenneth an, der 24 Jahre lang in der Todeszelle verbracht hatte, nachdem er wegen Blasphemie verurteilt worden war. Die drei Richter hoben das Urteil gegen Anwar Kenneth auf, nachdem Ärzte seine psychische Erkrankung bestätigt hatten. Das Gericht erklärte, dass eine Person mit einer psychischen Erkrankung nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne.

Der 72-jährige Kenneth wurde im Jahr 2001 verhaftet, weil er angeblich Briefe über den Propheten Mohammed und den Koran geschrieben hatte, die nach dem pakistanischen Blasphemiegesetz als blasphemisch angesehen wurden. Im Juli 2002 verurteilte ihn ein Gericht in Lahore zum Tode und verhängte eine Geldstrafe von fünf Millionen Rupien (15.000€). Trotz Berufungen und medizinischer Gutachten, die die psychische Störung des Verurteilten bestätigten, bestätigte das Oberste Gericht von Lahore das Urteil im Jahr 2014.  

Obwohl Anwar vom Gericht freigesprochen wurde, ist er weiterhin einem hohen Todesrisiko ausgesetzt, da es zahlreiche Drohungen von Hardlinern gibt, die die Tötung eines Gotteslästerers wie ihn als religiöse Pflicht betrachten. Weiterhin stellt sich die Frage nach der Integrität der pakistanischen Justiz, die 24 Jahre gebraucht hat, um Gerechtigkeit zu üben, und damit das gesamte Leben eines Mannes ruiniert hat, der einst Regierungsangestellter war und dessen Fall auch anders hätte behandelt werden können.

Anwar ist weder der erste noch der letzte Christ, der Opfer des berüchtigten pakistanischen Blasphemiegesetzes geworden ist. In der Vergangenheit haben viele Christen ihr Leben verloren und viele mussten aus dem Land fliehen, um ihr Leben zu retten.

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